- Die Projektannahmen müssen vor dem Rechnen auf rechtliche, technische und wirtschaftliche Plausibilität geprüft werden.
- Der verbleibende Gesamtbetrag ist nicht automatisch der reine Grundstückskaufpreis.
- Kleine Änderungen bei Erlösen oder Kosten können den Restbetrag für den Boden stark verändern.
Welche Frage beantwortet die Rechnung?
Die Methode beginnt mit einer möglichen Entwicklung und rechnet von deren wirtschaftlichem Ergebnis zurück. Austrian Standards beschreibt das Residualwertverfahren insbesondere für Entwicklungsfälle sowie bestimmte unbebaute oder grundlegend zu revitalisierende Liegenschaften. Ein fehlender Vergleichspreis allein liefert jedoch noch kein belastbares Projekt. Die fachliche Methodenwahl braucht einen geeigneten Untersuchungsgegenstand und ausreichende Eingabedaten.
Für Eigentümer ist entscheidend, ob eine Rechnung den Marktwert stützen soll oder die individuelle Ankaufsgrenze eines bestimmten Entwicklers zeigt. Besondere Finanzierungskonditionen, eigene Bauleistungen oder eine persönliche Gewinnvorgabe können dessen Zahlungsbereitschaft beeinflussen. Diese Rechnung darf nicht ungeprüft als allgemeiner Verkehrswert übernommen werden.
Grundlagen: Austrian Standards International [1]
Welche Annahmen müssen zuerst auf den Tisch?
Fordern Sie ein beschriebenes Projekt mit Flächenaufstellung und Planungsstand. Die Erlöse müssen zur tatsächlich vorgesehenen verkaufbaren oder vermietbaren Fläche passen. Eine rechnerisch maximale Gebäudefläche ist dafür kein Ersatz. Halten Sie fest, welche Bewilligungen, Rechte, Anschlussleistungen oder Bestandsmaßnahmen noch erforderlich wären.
Prüfen Sie Kosten anhand eines abgegrenzten Leistungsumfangs: Bau, Planung, Projektsteuerung, Vermarktung, Rückbau, Erschließung und sonstige objektspezifische Aufgaben. Reserven decken definierte Unsicherheiten ab; sie machen ein unbekanntes wesentliches Risiko nicht automatisch kalkulierbar. Erlöse und Kosten benötigen außerdem eine einheitliche Behandlung der Umsatzsteuer, der Preisstände und der zeitlichen Entwicklung.
Grundlagen: Stadt Wien [2]
Wie vermeiden Sie doppelte oder fehlende Zeitansätze?
Legen Sie offen, wann das Grundstück bezahlt wird, wann Bauausgaben anfallen und wann Verkaufserlöse eingehen. In einer vollständigen Rechnung beeinflussen diese Zahlungszeitpunkte die Finanzierung oder Diskontierung. Entwicklergewinn, Finanzierungskosten und Risikoberücksichtigung müssen begrifflich zusammenpassen. Derselbe Effekt darf nicht ohne Begründung mehrfach abgezogen werden.
Das folgende eigene Lehrmodell ist eine vereinfachte statische Projektkalkulation über zwei Jahre. Es enthält ausdrücklich Finanzierungskosten und einen fest angesetzten Gewinn, aber keine zusätzliche Diskontierung. Es ist kein vollständiges Gutachten und behauptet keine vollständige Anwendung der ÖNORM. Alle Beträge und Prozentsätze sind frei gewählte Annahmen; sie sind weder Wiener Marktparameter noch geltende Abgabensätze.
Was bleibt vor dem Grundstückserwerb übrig?
Für das Lehrmodell gelten die Beträge einheitlich ohne abzugsfähige Umsatzsteuer. Nicht abzugsfähige Belastungen wären in den jeweiligen Kosten zu erfassen. Die Baufinanzierung von 100.000 Euro ist ein vorgegebener, gesonderter Modellbetrag; sie enthält keine Bodenfinanzierung. Der Gewinn bleibt als fester Betrag von 300.000 Euro angesetzt.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Angenommene Verkaufserlöse | 3.000.000 Euro |
| Baukosten | −1.650.000 Euro |
| Planung, Projektnebenkosten und Vermarktung | −230.000 Euro |
| Rückbau und Erschließung | −100.000 Euro |
| Kostenreserve | −120.000 Euro |
| Baufinanzierung ohne Boden | −100.000 Euro |
| Entwicklergewinn | −300.000 Euro |
| Rest für Bodenpreis, dessen Erwerbsnebenkosten und Bodenfinanzierung | 500.000 Euro |
Wie empfindlich ist das Ergebnis?
Der Rechenweg im Beispiel ergibt einen reinen Bodenpreis von rund 420.875 Euro. Bei jeder folgenden Variante bleiben die übrigen Modellannahmen einschließlich des festen Gewinnbetrags unverändert. Es handelt sich um einzelne Belastungstests, nicht um Wahrscheinlichkeiten oder eine nachgewiesene Marktbandbreite.
Eine längere Laufzeit würde zusätzlich die Bodenfinanzierung, möglicherweise die übrigen Kosten und den Vermarktungszeitpunkt verändern. Ein seriöser Zeitvergleich rechnet diese Folgen neu. Prüfen Sie ein Residualergebnis abschließend gegen verfügbare Grundstückstransaktionen und realistische Alternativnutzungen. Ein sehr niedriges oder negatives Residuum zeigt zunächst, dass die untersuchte Entwicklung unter diesen Annahmen wirtschaftlich nicht trägt; es beweist nicht, dass das Grundstück wertlos ist.
| Änderung gegenüber dem Ausgangsfall | Verbleibendes Budget | Rechnerischer Bodenpreis |
|---|---|---|
| Keine Änderung | 500.000 Euro | 420.875 Euro |
| Verkaufserlöse um 5 Prozent niedriger | 350.000 Euro | 294.613 Euro |
| Baukosten um 10 Prozent höher | 335.000 Euro | 281.987 Euro |
| Beide Änderungen gemeinsam | 185.000 Euro | 155.724 Euro |
Grundlagen: RIS [3]
Fiktiver Rechenweg: Vom Restbudget zum reinen Bodenpreis
Eigenes vereinfachtes Lehrmodell mit zwei Jahren Laufzeit. Der Boden und seine Erwerbsnebenkosten werden vollständig zu Beginn bezahlt und modellhaft für zwei Jahre mit 5 Prozent jährlich einfach verzinst. Keine Tilgung, keine Zinseszinsen und keine zusätzlichen Bodenfinanzierungsgebühren; Erwerbsnebenkosten pauschal angenommen mit 8 Prozent des Bodenpreises.
- Das Projektbudget lässt 500.000 Euro für Bodenpreis P, Erwerbsnebenkosten und Bodenfinanzierung übrig.
- Bodenpreis und Erwerbsnebenkosten betragen zusammen 1,08 × P. Dieser gesamte Anfangsbetrag wird zwei Jahre finanziert.
- Die Bodenfinanzierung beträgt 1,08 × P × 0,05 × 2 = 0,108 × P. Damit gilt: 500.000 = 1,188 × P.
- P = 500.000 ÷ 1,188 = 420.875,42 Euro. Hinzu kommen 33.670,03 Euro Erwerbsnebenkosten und 45.454,55 Euro Bodenfinanzierung. Zusammen ergeben sie 500.000 Euro.
Der Restbetrag von 500.000 Euro ist hier nicht der Kaufpreis. Die explizite Finanzierung des Bodens vermeidet zudem, dessen Zinsen irrtümlich bereits in der Baufinanzierung mitzuzählen.
Ihre nächsten Prüfschritte
Halten Sie fest, was Sie bereits klären konnten und welche Unterlagen Sie noch benötigen.
Projektfläche und Status belegen
Prüft, ob die Erlösgrundlage rechtlich und technisch plausibel ist.
Woher bekomme ich die Grundlage?
Planung, Flächenaufstellung und vorhandene Verfahrensunterlagen.
Kostenpositionen abgrenzen
Findet Lücken und Doppelansätze zwischen Bau, Nebenleistungen und Reserven.
Woher bekomme ich die Grundlage?
Leistungsbeschreibungen und nachvollziehbare Kostenplanung.
Zahlungs- und Finanzierungsplan anfordern
Macht Laufzeit, Bodenfinanzierung und Zeitpunkt der Erlöse sichtbar.
Woher bekomme ich die Grundlage?
Kalkulierende Fachperson oder Projektentwickler.
Annahmen einzeln verändern
Zeigt, welche offene Eingabe die Preisableitung am stärksten begrenzt.
Woher bekomme ich die Grundlage?
Mindestens Erlöse, Baukosten und Dauer neu rechnen lassen.
Lesen und Prüfen sind ohne Anmeldung möglich. Gespeicherte Prüflisten finden Sie privat unter Mein Bereich. Die Auswahl bestätigt keine fachliche Prüfung Ihrer Immobilie.
Quellen und Stand
Die folgenden Grundlagen unterstützen diesen Leitartikel. Für Ihr konkretes Objekt zählen die aktuellen Unterlagen und die jeweils anwendbaren Voraussetzungen.
- Austrian Standards InternationalÖNORM B 1802-3:2014 08 01 – öffentliche Beschreibung des Anwendungsbereichs
- Stadt WienFlächenwidmung in Wien
- RISLiegenschaftsbewertungsgesetz § 4: Vergleichswertverfahren
Redaktioneller Stand: 11.09.2026. Beispiele erläutern Zusammenhänge und enthalten keine individuell ermittelte Immobilienbewertung. Redaktion und Quellenarbeit.
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